Baubericht Faller (Art. 120119) S-Bahnstation in H0

Jedes Jahr gibt es zigtausende neue Modellbahner (Märklin hat im vergangenen Jahr weltweit 100.000 Startsets verkauft). Darum zeige ich hier ein paar Dinge, auf die man beim Bau von Modellhäusern achten sollte. Vielleicht ist auch für Profis noch ein Tipp dabei. Weitere Infos findest Du bestimmt auf unser Seite Tipps und Tricks oder auf Seiten aus unserer Linkdatenbank.


Generell ist so ein Zusammenbau recht einfach. Unterschiede gibt es bei der Detaillierung der Bauanleitungen der einzelnen Hersteller, jedoch ist es Geschmacksache, mit welchen Anleitungen man am besten zurecht kommt.

Falle Art. 120119 S-Bahnstation H0Wir zeigen hier einen ausführlichen Baubericht für die Faller (Art. 120119) S-Bahnstation. Lt. Faller besteht der Bausatz aus 238 Plastikteilen in 10 Farben, klare Fensterfolie sowie Gardinenmasken und Aufkleber. Das Modell ist also in einer mittleren Schwierigkeitsstufe anzusiedeln. Absolute Anfänger sollten eher mit einem einfacheren Bausatz beginnen, um erste Erfahrungen im Plastikmodellbau zu sammeln. Unsere Anregungen haben jedoch generelle Gültigkeit, vom einfachen Fahrradständer-Bausatz bis hin zum Großbahnhof mit über 1.000 Teilen. Die unverbindliche Preisempfehlung dieses Bausatzes liegt bei ca. 50,00 Euro.


Baubericht faller sbahn StationBevor man mit dem eigentlichen Bau beginnt, sollte man ein paar wichtige Dinge beachten. Zunächst einmal, so banal das klingt, braucht man einen geeigneten Arbeitsplatz. Selbstverständlich sollte man nicht auf dem teuren Wohnzimmertisch basteln, als stabile Unterlage eignet sich eine Holz-, Metall- oder Plastikplatte, Am besten ist natürlich die eigene Werkbank, aber die hat nicht jeder. Dann sollte der Platz gut belüftet sein, die Kleber und Farben sind sicherlich ungefährlich, trotzdem sollte man die Dämpfe nicht einatmen. Ebenfalls sollte man für eine ausreichende Beleuchtung sorgen.

  Arbeitsplatz belüftet, beleuchtet, trocken, vor Kleinkindern sichern

Bbaubericht Faller Sbahn StationAls Werkzeug braucht man eine Bastelzange (für ein paar Euro bei jedem Fachhändler zu haben), Klebstoff, ein Bastelmesser, eine Schere, evtl. eine Feile sowie Pinsel und Farben, wenn man seinen Bausatz farblich behandeln (sog. patinieren) will.

Bevor man loslegt, sollte man zuerst den Bausatz auf Vollständigkeit prüfen. Fehlende Teile sind die absolute Ausnahme, bei jedem Hersteller kann man dann aber die Teile nachfordern. Dann sollte man sich unbedingt vorab mit der Bauanleitung vertraut machen. Besonders bei komplexen Bausätzen ist es ratsam, immer ein paar Seiten weiter zu lesen. Viele Modelle bieten mittlerweile Variationsmöglichkeiten (z.B. 2 oder 3 Etagen) an, man sollte sich vorher klar werden, welche Version man bauen möchte. So kann man ärgerliche Fehler beim Zusammenkleben vermeiden. Noch wichtiger ist dieser Schritt, wenn im Modell Technik, z.B. ein Motor oder Beleuchtung verbaut sind. Diese sollte auch später zur Wartung erreichbar sein (Lampenwechsel, etc.), ohne den Bausatz zu zerstören.

Werkzeuge bereitlegen, Bausatz prüfen, mit der Anleitung vertraut machen, evtl. eine Variante festlegen und Wartung/Technik berücksichtigen

baubericht-faller-sbahn-StationNormalerweise wird man denken, daß man in der Reihenfolge der Schritte in der Bauanleitung baut. Das ist nur zum Teil richtig. Will man das Modell farblich verändern, sollte auch eine harmonische Abstimmung der Farben zueinander erfolgen. Darum fangen wir im ersten Schritt mit der Alterung der Arkarden-Teile an, in der Bauanleitung Teil F. Das linke Bild zeigt den Vergleich der farblich behandelten Seite mit dem Original. Es gibt verschiedene Techniken die man hier anwenden kann, z.B. mit Pastelkreide. Wir nutzen hier Farbe, genau Beton-Farbe von Faller. Man kann jede Farbe verwenden, die auf Plastik/Resin hält, insbesondere Ölfarbe, sollte aber möglichst verdünnte Farbe verwenden. Die Farbe trägt man mit einem Pinsel auf und wischt sie mit einem Bauwolltuch (z.B. ein altes T-Shirt) mit leichtem Druck nach wenigen Sekunden wieder ab. Effekt: Die Farbe bleibt in den Vertiefungen haften und das Stück verliert den typischen Plastikglanz. Auf keinen Fall sollte man Verdünner nutzen, da dieser die herkömmlichen Plastikteile auflöst.

– Zum Patinieren (künstl. altern) Farbe dünn auftragen und mit einem Tuch direkt wieder abwischen

– nicht mehr Teile als nötig vom Spritzling abtrennen

Patinieren ist mehr als nur das Verschmutzen von hellen Gebäudeteilen. Es kommt vielmehr auf eine harmonische Abstimmung mit der Umgebung an. In einem Betriebswerk macht ein mit Russ verdrecktes Gebäude durchaus Sinn, mitten in einer Altstadt wird sowas hingegen sehr unnatürlich wirken. Wo sollte da der Dreck herkommen? Zuerst haben wir die Arkade mit einem Klinkerrot (selbst gemischt aus verschiedenen rot- und brauntönen) grundiert. Dann wurden die Bögen der Arkade und die Simse grau eingefärbt und die Wandelemente der Geschäfte in braun und rot auf den Rest abgestimmt. Im dritten Schritt wurde mit schwarzer Wasserfarbe die Wand leicht! verwischt. Als letzter Arbeitsschritt werden Werbeplakate und Grafitti angebracht, wodurch das Gesamtbild noch realistischer wirkt.

– beim Patinieren die Gestaltung auf die Umgebung abstimmen

baubericht-faller-sbahnS-tationDie Bausätze der großen Hersteller zusammen zu bauen ist an sich kein Problem. Der Kniff besteht darin, aus einem Plastikbausatz ein „Kunststoff-modell“ zu machen. Mit ein paar Kleinigkeiten kann man hier viel Effekt erreichen. Das Glasdach wurde z.B. mit etwas schwarzer Ölfarbe (den Pinsel vorher mehrmals abstreifen) leicht verschmutzt und mit hellgrauer Farbe wurde an den Eckpunkten „Taubendreck“ aufgemalt. Andere Effekte sind z.B. das bemalen von Regenrinnen mit Eisen-/Kupferfarbe, etc. Wenn man es nicht übertreibt, erzielt man so gute Resultate.

baubericht-faller-sbahn-StationAndere Möglichkeiten der Gestaltung bieten auch z.B. das Anbringen von Werbeplakaten und Graffiti, sowie von Figuren. Diese Möglichkeiten bieten sich auch bei anderen Modellen, z.b. steht eine Figur auf dem Balkon, im geöffenten Fenster (per Bastelmesser einfach) oder im Ladengeschäft. Die meisten Bausätze werden nur in wenigen Farben geliefert. Hier kann man ebenfalls effektvoll nachhelfen. Bei unserer S-Bahn-Station wurden z.B. die Sitzbänke braun und die Abfalleimer mit Eisenfarbe bemalt (beide im Original grau). Die Brüstung und Werbeschilder bekamen einen schwarzen Anstrich.

– einfache farbliche Veränderungen machen aus einem Bausatz ein wesentlich realistischeres Modell

Der Fanatasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Einen echten Hingucker kann man auf seiner Anlage erzeugen, wenn man um ein Modell herum ein Szenario aufbaut. Hier könnte z.B. das Dach ausgebessert werden, dazu schwebt eine Glasscheibe, die man aus dem Dach getrennt hat, an einem Schwerlastkran über dem Modell, ein Rettungseinsatz von Krankenwagen und Feuerwehr rettet einen Passanten mit Herzinfarkt auf dem Gleis, etc.

baubericht-faller-sbahn-StationZum Schluß noch zwei kleine Tipps: Die Bausätze sind nicht ganz billig, man sollte überschüssige Teile in einer Restekiste sammeln und nicht wegwerfen. Da die Spritzlinge meist für mehrere Modelle verwendet werden, verfügen sie oft über mehr Teile als notwendig. Es gibt immer Situationen, wo man diese Reste in anderen Modellen weiter verwenden kann. Zum anderen sollte man auch die Bauanleitung in einem Ordner aufheben. Es kommt immer wieder mal vor, daß man ein Modell reparieren muß, sei der Schaden durch einem Umzug oder beim Reinigen mit dem Staubsauger entstanden. So ensteht ein kleines Nachschlagewerk, wo und wie die verlorenen Teile hingehören.

– bauanleitung abheften

-übrige teile in die bastelkiste